Was bedeutet der Physik-Nobelpreis für Ostfriesland?
Studiengang Photonik betreibt in Emden angewandte Lehre und Forschung im
ausgezeichneten Fachgebiet.
Über die Würdigung durch den Nobelpreis sind an der Fachhochschule in Emden
insbesondere in den Studiengängen Photonik und Engineering Physics die Studierenden,
Mitarbeiter und Professoren hoch erfreut. Sie kommen in den unterschiedlichen
Forschungsbereichen Optik und der Lasertechnik und in der Lehre praktisch
jeden Tag mit Weiterentwicklungen der preisgekrönten Arbeiten in Berührung.
Auch die Abteilungen Elektrotechnik und Informatik sowie Maschinenbau im
Fachbereich Technik sind vom Nobelpreis direkt oder indirekt betroffen.
Eine fundierte Ausbildung in den Bereichen der Physik und der optischen
Technologien ist eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche berufliche
Qualifizierung in einem modernen technologischen Umfeld, das sich permanent
weiter entwickelt. Zum einen ergeben sich daher für die Absolventen hervorragende
Berufsaussichten. Zum anderen profitiert davon die Region Ostfriesland sowie
das Umland mit einigen großen Unternehmen im Bereich der Fertigung und Produktion
sowie den vielen mittleren und kleinen Unternehmen mit Bezug zu optischen
Technologien.
Mit der diesjährigen Verleihung des Nobelpreises in Physik zeichnet das
Nobelpreiskommittee drei Wissenschaftler aus, die es selbst mit "Masters
of Light" bezeichnete und die in der deutschen Presse als "Lichtzauberer"
tituliert wurden. Nachdem im Jahre 2005 bereits Professor Hänsch aus München
den Nobelpreis für seine Leistungen auf dem Gebiet der Lasertechnik erhielt,
werden am 10. Dezember wiederum Arbeiten aus dem Bereich der Optik gewürdigt.
Die Erfindungen der drei diesjährigen Preisträger stehen am Anfang einer
Entwicklung, die unser Zeitalter so nachhaltig geprägt haben wie kaum eine
andere. Der Brite chinesischer Abstammung, Charles Kao, berechnete Anfang
der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts, dass man über eine Glasfaser
Licht so verlustfrei transportieren kann, dass es nach ca. 15 km nur die
Hälfte seiner Leistung verloren hat. Auch nach über 150 km Strecke können
digitale Signale hoher Bitraten noch problemlos ausgewertet werden, ohne
dass sie zwischendurch verstärkt werden müssten. Sowohl Qualität als auch
Menge der übertragenen Signale sind dabei um ein Vielfaches höher als bei
Funkübertragungen. Dies war die Grundlage für das Internet, bei dem mit
kommerziellen Systemen zurzeit Datenmengen von mehreren Terabit pro Sekunde
übertragen werden. Das entspricht etwa der kompletten Übertragung von ca.
100 DVD pro Sekunde auf einer einzigen Glasfaser. Selbst vor ca. 20-30 Jahren
wusste man noch nicht genau, was man mit einer solch hohen Übertragungskapazität
anfangen sollte, da die digitale Multimediatechnik noch in den Kinderschuhen
steckte. Das änderte sich dann Anfang der neunziger Jahre drastisch, als
die ersten digitalen Kameras kommerziell zur Verfügung standen. Die Grundlage
dafür war die Erfindung der CCD-Kamerasensoren durch die beiden US-Amerikaner
Williard Boyle und George Smith Mitte der siebziger Jahre, die dafür ebenfalls
in diesem Jahr mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet werden. Die CCD-Chips
sind heutzutage in fast jeder digitalen Kamera, in Scannern und in Fotohandys
zu finden und sind für die Unterhaltungselektronik wie auch für die Forschung
als wesentliches Werkzeug unabdingbar geworden.
Die Glasfaser als Übertragungsmedium wie auch der Kamerachip als Sensor
haben ein weitaus größeres Umfeld nachhaltig beeinflusst, das unter dem
Begriff der optischen Technologien zusammengefasst werden kann. Sie waren
die treibenden Kräfte für weitere industrielle Entwicklungen. Beispielsweise
konnten die Möglichkeiten der Glasfaser erst richtig ausgenutzt werden,
nachdem Halbleiterlaser, Leuchtdioden und weitere Komponenten der Optoelektronik
zur Verfügung standen.
Diese Entwicklung geht immer noch weiter und lieferte uns vor einigen Jahren
blaue Leuchtdioden und Laser für die "Blue Ray"-Technologie und HDTV. Weiterhin
werden Glasfasern zum Transport von Laserstrahlung hoher Intensität eingesetzt,
so dass eine flexible Strahlführung beim Schneiden und Schweißen mittels
Laserstrahlen möglich ist. Damit können nicht nur Karrosserie- oder Schiffsteile
bearbeitet werden, was in der ostfriesischen regionalen Industrie von Bedeutung
ist, sondern auch im medizinischen Bereich werden mittels fasergekoppelten
Lasern blutstillende Operationsschnitte durchgeführt oder Kalkablagerungen
in Blutgefäßen sowie Nierensteine zertrümmert.
Außerdem hat die Glasfaser zur Entwicklung von neuartigen Lasern geführt.
So ist das Herzstück des leistungsstärksten Lasers in Ostfriesland, der
in der Fachhochschule in Emden ultrakurze Pulse von mehreren Gigawatt Leistung
liefert, eine spezielle Glasfaser von mehreren Metern Länge. Praktischerweise
kann man diese Glasfaser aufwickeln, was zu relativ kompakten und stabilen
Systemen führt. In der optischen Messtechnik kommen die Messlabore, angefangen
von der Bildverarbeitung in der Mikroskopie bis zur Qualitätsanalyse von
Laserstrahlung, ohne Digitalkameras nicht mehr aus.
Kontakt:
Prof. Dr. Hans Josef Brückner Professor für Laseranwendungen in der Kommunikationstechnik Fachhochschule
Emden/Leer Tel: 04921/807-1457 E-Mail: brueckner@nwt.fho-emden.de Web:
http://www.technik-emden.de/institute/photonik/index_kommtech.php
Prof. Dr. Ulrich Teubner Professor für Lasermikrotechnik/Ultrakurzzeitoptik
im Bereich Photonik Studiengangssprecher Photonik Tel.: 04921/
807-1527 E-Mail: teubner@nwt.fho-emden.de
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Midgard Administrator
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